Kleine Verspätung aus der Küchenschublade:
Eigentlich ziehen meine Gefühle sonntags ein. Diesmal hat sich die Freude etwas mehr Zeit gelassen. 😄
Aber Montag sowieso ein ziemlich guter Tag für ein bisschen Freude.
Gefühle in der Küchenschublade
Ich zog die Küchenschublade auf.
PENG!
Konfetti.
Überall.
In meinen Haaren.
Auf dem Fußboden.
Im Besteckkasten.
Ein Stück klebte sogar an der Dunstabzugshaube.
„Was zum…?“
„ÜBERRASCHUNG!“
Mitten in der Schublade stand die Freude.
Mit einer Tröte.
Und offenbar ohne jedes Bewusstsein dafür, dass eine Küchenschublade nur begrenzt Platz bietet.
„Ich bin daaaa!“
Die Hoffnung sprang sofort auf.
„ENDLICH!“
Die beiden fielen sich in die Arme und hüpften durch die Schublade.
Der Perfektionismus starrte auf das Konfetti.
Sein Gesicht entgleiste.
„Das…“
Er zeigte auf den Boden.
„…liegt überall.“
Die Freude strahlte.
„Ja!“
„Das muss weg.“
„Nein!“
Emma erschien wie aus dem Nichts mit einem Handfeger.
„Doch.“
Die Freude warf eine zweite Handvoll Konfetti.
Emma erstarrte.
„Das hast du nicht getan.“
„Doch!“
Die Prokrastination hob den Kopf.
„Feiern wir?“
„JA!“
„Okay. Ich komme später.“
Die Freude wollte gerade etwas sagen, da wurde der Humor aufmerksam.
Er sah zur Prokrastination.
Dann zum Holzpfannenwender.
Dann wieder zur Prokrastination und grinste.
„Was?“, fragte die Prokrastination misstrauisch.
„Nichts.“
„Du guckst so.“
„Ich gucke immer so.“
Dann gab er ihr einen kleinen Schubs.
„Hey—!“
Die Prokrastination rutschte vom Holzpfannenwender als wäre es eine Rutsche und landete auf dem Boden der Schublade.
Sie blieb liegen.
Der Humor beugte sich über den Holzpfannenwender.
„Kommst du wieder hoch?“
Die Prokrastination dachte nach.
Sehr lange.
„Später.“
Der Humor brach zusammen.
Die Freude auch.
Sogar die Gelassenheit verschluckte sich an ihrem Tee.
Die Prokrastination zog sich ein Taschentuch unter den Kopf.
„Wenn ihr fertig seid mit Lachen, sagt Bescheid.“
Kurze Pause.
„Oder auch nicht.“
Und blieb liegen.
Der Humor lag inzwischen auf dem Holzpfannenwender und konnte nicht mehr.
„Ich liebe sie.“
Die Kontrolle kam mit ihrem Klemmbrett.
„Moment. So war das nicht geplant.“
Die Freude drehte sich zu ihr.
„Was denn?“
„Dein Einzug.“
„Ach so.“
„Du solltest um 14 Uhr eintreffen. Geordnet. Ohne Zwischenfälle.“
Die Freude schaute auf eine Uhr, die sie gar nicht trug.
„Huch.“
Die Kontrolle atmete tief ein.
Sehr tief.
„Und was genau hast du jetzt vor?“
Die Freude dachte kurz nach.
„Keine Ahnung.“
Die Kontrolle schloss die Augen.
Die Gelassenheit reichte ihr wortlos eine Tasse Tee.
Die Wut stand in der Ecke und beobachtete das Ganze.
„MUSS DAS SO LAUT SEIN?“
Die Freude grinste.
„JA!“
Die Wut wollte gerade lospoltern., Da setzte die Freude ihr eine Partykrone auf.
Stille.
Die Wut fasste vorsichtig an die Krone.
„Was soll das?“
„Steht dir.“
Die Wut kämpfte.
Wirklich.
Aber dann grinste sie.
„Sag das keinem.“
„Versprochen!“
Der Zweifel stand mit verschränkten Armen daneben. „Das hält sowieso nicht lange.“
Die Freude wurde plötzlich still.
Sie ging zu ihm.
Setzte sich neben ihn.
„Stimmt.“
Der Zweifel blinzelte.
„Wie bitte?“
„Ich bleibe nicht immer.“
„Na also.“
„Aber ich bin jetzt da.“
Der Zweifel wusste offensichtlich nicht, was er darauf antworten sollte.
Die Traurigkeit saß ein Stück weiter hinten.
Die Freude sah sie.
Für einen Moment dachte ich, sie würde jetzt auch ihr eine Partykrone aufsetzen.
Tat sie aber nicht.
Sie setzte sich einfach daneben.
„Du musst nicht mitmachen“, sagte sie.
Die Traurigkeit schniefte.
„Darf ich trotzdem hierbleiben?“
„Natürlich.“
„Auch wenn ich traurig bin?“
Die Freude nickte.
„Ich brauche die Schublade nicht für mich allein.“
Da wurde es für einen kurzen Moment ganz ruhig.
Die Freude saß neben der Traurigkeit.
Die Hoffnung daneben.
Die Wut mit ihrer schiefen Partykrone.
Der Humor immer noch auf dem Holzpfannenwender.
Die Gelassenheit mit Tee.
Und selbst der Zweifel blieb sitzen.
Ich betrachtete sie alle.
Vielleicht hatte ich mir Freude immer anders vorgestellt.
Groß.
Laut.
Unbeschwert.
So als müsste alles andere verschwinden, damit sie überhaupt da sein kann.
Aber offenbar war ihr das völlig egal.
Sie brauchte keine leere Schublade.
Sie quetschte sich einfach dazwischen.
Mitten zwischen Angst, Traurigkeit, Zweifel und all den anderen.
„Du?“, fragte ich.
„Hm?“
„Bleibst du noch ein bisschen?“
Die Freude grinste.
„Solange es dauert.“
Dann griff sie hinter ihren Rücken.
Der Perfektionismus wurde blass.
Emma hob warnend den Handfeger.
Die Kontrolle griff nach ihrem Klemmbrett.
„Was hast du da?“
Die Freude hielt eine riesige Tüte hoch.
KONFETTI.
„NEIN!“, schrien Emma, Kontrolle und Perfektionismus gleichzeitig.
Der Humor brüllte:
„JAAA. MACH!“
Ich schloss die Schublade.
Sofort.
Manchmal muss man die Freude einfach machen lassen.
Und Emma…
nun ja.
Die hat morgen bestimmt einiges zu tun.
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