Ein Gedanke vorweg
Als ich mit der Reihe über die Küchenschublade begann, wollte ich eigentlich nur etwas Humor in den Alltag bringen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie für mich selbst einmal so wichtig werden würde.
Durch meine DIS sind Gefühle für mich oft nicht selbstverständlich. Manche sind nur schwer wahrnehmbar, andere fühlen sich weit entfernt an oder tauchen erst viel später auf. Manchmal weiß ich zuerst, dass etwas in mir passiert – aber nicht, was es eigentlich ist.
Die Küchenschublade hilft mir dabei, diesen Gefühlen zu begegnen. Wenn die Wut die Schublade aufknallt, die Traurigkeit alles unter Wasser setzt oder der Perfektionismus jedes Gummiband gerade richtet, dann werden Gefühle plötzlich greifbar. Sie bekommen ein Gesicht, einen Charakter und manchmal sogar einen ziemlich schrägen Humor.
Vor ein paar Tagen habe ich zum ersten Mal bewusst gedacht: Ich bin wütend. Das klingt für viele Menschen vermutlich unspektakulär. Für mich war es ein neuer Moment. Ein Gefühl, das ich nicht nur beschreiben, sondern tatsächlich wahrnehmen konnte.
Vielleicht ist genau das das Schönste an dieser kleinen Schublade: Niemand muss wieder ausziehen. Die Gefühle dürfen kommen, sie dürfen Chaos machen, sie dürfen nerven oder trösten. Und ich darf sie kennenlernen.
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet eine ganz normale Küchenschublade zu einem Ort wird, an dem ich mich selbst Stück für Stück besser verstehe.
So... und nun zur eigentlichen Geschichte
Die Gefühle in meiner Küchenschublade
Ich zog die Schublade auf.
Oder besser gesagt…
Ich wollte sie aufziehen.
In dem Moment kam sie mir schon entgegen.
KNALL!