Mittwoch, 8. Juli 2026

Namen können sich ändern

DIS-Einblicke 🧩 – Teil 23


Namen können sich ändern


Ein kurzer Blick in meinen Alltag mit DIS. Beim Schreiben merke ich oft erst, wie es eigentlich ist.

Was Menschen ohne DIS oft nicht wissen …


Manche Anteile ändern ihren Namen – oder finden ihn erst mit der Zeit.

Ein Name kann Schutz bedeuten, Zugehörigkeit schenken oder ausdrücken, dass sich etwas verändert hat. Manche Namen entstehen erst dann, wenn ein Anteil bereit ist, sichtbar zu werden.

Innere Identitäten dürfen sich entwickeln.


Eine Geschichte zur Veranschaulichung 


Wie ich zu meinem Namen fand

Manche Menschen bekommen ihren Namen bei der Geburt.

Ich glaube, ich habe meinen erst mit der Zeit gefunden.

Der Name, den mein Körper ursprünglich trug, war für mich irgendwann nicht mehr der richtige. Er gehörte zu einer Vergangenheit, mit der ich nicht länger jeden Tag konfrontiert werden wollte.

Deshalb haben wir uns entschieden, den offiziellen Namen ändern zu lassen.

Seitdem heißt der Körper Hedda-Marie.

Für viele Menschen ist das vielleicht nur ein neuer Name auf Ausweis, Krankenkassenkarte und Briefkasten. Für mich bedeutet er etwas viel Größeres: Ich darf mich mit einem Namen vorstellen, der sich richtig anfühlt und mit dem ich heute gerne durchs Leben gehe.

Doch auch innerhalb unserer Innenwelt hat sich etwas verändert.

Früher hieß ich Lütte.

Später wurde daraus Ilka.

Beide Namen gehörten zu unterschiedlichen Lebensabschnitten. Sie waren richtig für die Zeit, in der ich sie getragen habe.

Und dann kam Hedda.

Nicht plötzlich. Eher leise.

Der Name fühlte sich nach und nach immer mehr nach mir an. Irgendwann bemerkte ich, dass ich nicht nur innerlich längst auf Hedda hörte.

Das Schönste daran war aber etwas anderes.

Eines Tages sagten die anderen Anteile zu mir:

"Den Namen Hedda hast du dir verdient."

Dieser Satz hat mich tief berührt.

Nicht, weil man sich einen Namen verdienen müsste.

Sondern weil darin so viel Anerkennung steckte. Sie sahen, wie ich gewachsen war. Welche Verantwortung ich übernommen hatte. Wie ich Stück für Stück meinen Platz im Vielhaus gefunden hatte.

Seitdem heiße ich auch in unserer Innenwelt Hedda.

Manchmal fragen mich Menschen, warum Namen so wichtig sind.

Für mich lautet die Antwort:

Ein Name ist mehr als ein Wort.

Er erzählt eine Geschichte.

Und manchmal erinnert er uns daran, wer wir heute sind.

Wenn ich heute meinen Namen schreibe oder ihn höre, fühlt er sich nicht wie eine Rolle an, die ich erfüllen muss.

Er fühlt sich an wie ein Zuhause.

Ich bin Hedda.


🧩 Ein Gedanke dazu


Früher habe ich gedacht, ein Name müsse für immer feststehen. In meiner Innenwelt habe ich etwas anderes erlebt. Manche Anteile behalten ihren Namen ein Leben lang. Andere legen ihn irgendwann ab oder finden erst später einen, der wirklich zu ihnen passt.

Für mich hat das nichts mit Beliebigkeit zu tun. Ein neuer Name kann zeigen, dass ein Anteil gewachsen ist, sich sicherer fühlt oder endlich ausdrücken kann, wer er ist.

Ich begegne solchen Veränderungen heute mit Neugier statt mit Unsicherheit. Denn jeder Name erzählt ein Stück Geschichte – und manchmal beginnt mit einem neuen Namen auch ein neuer Abschnitt.

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Dieser Beitrag gehört zur Reihe DIS-Einblicke und beschreibt meinen Alltag mit dissoziativer Identitätsstörung.

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