Sonntag, 29. März 2026

Schreibwerk - Die Hoffnung in meiner Küchenschublade

Die Hoffnung wohnt bei mir in der Küchenschublade. Zwischen Gummibändern, einigen Büroklammern und diesem einen Löffel, von dem niemand weiß, woher er kommt. Sie ist klein und ehrlich gesagt: ein bisschen nervig. Immer wenn ich die Schublade aufziehe, ruft sie: „Heute wird ein guter Tag!“ Und ich denke mir: „Wir haben Dienstag. Beruhig dich.“

Neulich wollte ich nur schnell einen Teebeutel holen, da hüpft sie mir entgegen und sagt: „Vielleicht passiert heute etwas Überraschendes!“ Ich: „Ja. Vielleicht finde ich endlich den zweiten Socken.“

Sie: „Oder du gewinnst im Lotto!“

Ich: „Ich spiele nicht mal Lotto.“

Sie kurz still. Und dann: „…Dann ist die Chance ja noch größer, dass etwas anderes Schönes passiert!“

Ich habe die Schublade schwungvoll zugemacht, aber

sie gibt nicht auf. Nie. Gestern zum Beispiel: Hunger, schlechte Laune, ich stoße mir den kleinen Zeh an der Kommode (also wirklich, was soll das eigentlich?!). Ich fluche, hinke in die Küche – Schublade auf. Und da sitzt sie. Strahlt mich an. „Vielleicht wird’s gleich besser.“

Ich wollte schon sagen: „Ganz sicher nicht.“ Da klingelt es. Der Paketbote. Mit meiner Lieblingsschokolade, die ich komplett vergessen hatte, bestellt zu haben. Ich schaue die Hoffnung an. Sie grinst. Ich seufze.

„Okay“, sage ich, „du darfst bleiben.“

Sie nickt zufrieden und macht es sich wieder zwischen Gummibändern und Chaos gemütlich.

Und seitdem… lasse ich die Schublade manchmal einfach so ein kleines bisschen offen.


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