Die Hoffnung wohnt immer noch in meiner Küchenschublade. Allerdings hat sie inzwischen Besuch. Ich weiß nicht genau, wann es passiert ist, aber irgendwann ist das Ganze… naja… eskaliert.
Es fing harmlos an.
Die Hoffnung saß wie immer zwischen Gummibändern und rief: „Heute wird ein guter Tag!“ Doch plötzlich meldete sich jemand anderes: „Oder auch nicht.“
Ich starrte in die Schublade. Da saß er. Der Zweifel. In einem zerknitterten alten Einkaufszettel eingerollt.
Am nächsten Tag war die Schublade noch voller.
Die Ungeduld trommelte mit einem Löffel gegen den Rand.
Die Müdigkeit lag quer über allem und schnarchte.
Ich hätte es lassen sollen. Wirklich.
Denn in dem Moment, in dem ich die Schublade komplett aufzog, passierte es.
Alles gleichzeitig.
Die Hoffnung sprang heraus: „HEUTE WIRD WAS GUTES PASSIEREN!“
Der Zweifel hinterher: „Wahrscheinlich nicht!“
Die Ungeduld: „JETZT ABER SCHNELL!“
Die Müdigkeit: „Noch fünf Minuten…“
Und ich? Ich stand mitten in der Küche und wurde von Gefühlen angebrüllt, während ein Gummiband mein Handgelenk traf.
Ich wollte die Schublade wieder zuschieben – zu spät.
Die Hoffnung kletterte mir aufs Knie. „Vertrau mir!“
Der Zweifel zog an meinem Ärmel. „Lass es lieber.“
Die Neugier flüsterte: „Aber was wäre, wenn…?“
Und irgendwo unter meinem Fuß lag die Müdigkeit und seufzte: „Das ist mir alles zu viel.“
Ich atmete tief ein. Sehr tief. Und seufzte.
Dann hob ich die Hoffnung hoch, setzte sie zurück in die Schublade, daneben den Zweifel, die Ungeduld, die ganze chaotische Bande.
Schublade zu. Stille. …für genau drei Sekunden.
Dann klopfte es von innen. Ganz leise.
„Psst“, sagte die Hoffnung, „nur kurz…“
Ich sah die Schublade an. Sie vibrierte leicht. Ich seufzte wieder und zog sie ein kleines Stück auf.
Und die Hoffnung grinste: „Ich hab übrigens eine Idee.“
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