Sonntag, 12. Juli 2026

Die große Schubladeneskalation

Ich öffnete die Küchenschublade und legteden Holzpfannenwender ,den ich unter dem Kühlschrank fand, zurück an seinen Ort.

Fünf Sekunden lang war alles ruhig.

Dann sagte der Perfektionismus: „Wer hat den Holzpfannenwender schief hingelegt?“

Die Prokrastination hob müde den Kopf. „Ich richte den später.“

Die Wut sprang sofort auf.

„WARUM SPÄTER?! DAS DAUERT ZWEI SEKUNDEN!“

„Eben“, sagte die Prokrastination. „Dann reichen auch morgen zwei Sekunden.“

Der Perfektionismus wurde kreidebleich. „Morgen?“

Er holte sein Maßband hervor.

„Der Pfannenwender liegt in einem Winkel von mindestens sieben Grad.“

Die Wut riss ihm das Maßband aus der Hand. „ES IST EIN PFANNENWENDER! KEIN SATELLIT!“

Der Perfektionismus schnappte nach Luft. „Genau wegen dieser Einstellung herrscht hier Chaos!“

„CHAOS?“

Die Wut drehte sich einmal im Kreis.

„ICH BIN DAS CHAOS!“

Die Hoffnung versuchte zu vermitteln. „Vielleicht könnten wir…“

„NEIN!“, riefen alle drei gleichzeitig.

Die Hoffnung setzte sich beleidigt auf den mysteriösen Löffel.

Die Gelassenheit nahm einen Schluck Tee.

„Das entwickelt sich interessant.“

Die Ungeduld sprang zwischen allen hin und her.

„JETZT ENTSCHEIDET EUCH DOCH ENDLICH! STREITEN ODER AUFRÄUMEN!“

„Beides!“, brüllte die Wut.

„Nur richtig!“, ergänzte der Perfektionismus.

„Später“, murmelte die Prokrastination.

Die Wut schäumte.

„ICH GLAUB, ES HACKT!“

Die Prokrastination gähnte.

„Kann sein.“

Der Perfektionismus hatte inzwischen angefangen, die Taschentücher nach Falttechnik zu sortieren.

Die Wut fegte mit einem Arm darüber.

„SO! JETZT SIND SIE GLEICH!“

Der Perfektionismus machte ein Geräusch, das medizinisch untersucht werden sollte.

Die Scham verkroch sich hinter den Büroklammern.

Die Angst flüsterte: „Das endet nicht gut.“

Die Liebe hielt vorsichtshalber Abstand.

Die Traurigkeit begann prophylaktisch zu schniefen.

Ich stand davor. (Ich hatte den Moment verpasst, etwas zu sagen.)

Mit der Hand am Schubladengriff und dachte: Vielleicht einfach zumachen.

Ich schob die Schublade zu.

Stille.

Ich lächelte erleichtert.

Dann…

RUMMS!

Die Schublade sprang von selbst wieder auf.

Der Holzpfannenwender schoss wie ein Katapult durch die Küche. (Schon wieder.)

Die Prokrastination flog gemütlich hinterher. „Ich wollte sowieso mal raus…“

Der Perfektionismus rannte mit dem Maßband hinter dem Pfannenwender her.

„DER MUSS ZURÜCK AUF SEINEN PLATZ!“

Die Wut stand mitten auf der Arbeitsplatte.

„ICH KÜNDIGE!“

„Du kannst hier nicht kündigen“, sagte der Zweifel trocken.

„WARUM NICHT?“

„Weil du hier wohnst.“

Die Wut überlegte. „…Das ist unpraktisch.“

Die Gelassenheit nahm den letzten Schluck Tee. „Hat noch jemand Popcorn?“

In diesem Moment kam Emma, die Frühjahrsputzerin, in die Küche.

Sie blieb in der Tür stehen.

Sah den Pfannenwender unter der Kaffeemaschine, das Maßband um den Wasserhahn gewickelt, die Wut auf der Arbeitsplatte, die Prokrastination auf dem Fußboden und den Perfektionismus, der versuchte, das Chaos millimetergenau zu vermessen.

Emma drehte sich wortlos um.

„Wo gehst du hin?“, rief ich.

„Putzmittel kaufen.“

„Reicht das?“

Sie dachte kurz nach. „Nein.“

„Was dann?“

„Ich komme mit einem größeren Schrank wieder.“

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