DIS-Einblicke 🧩-Teil 31
Ein kurzer Blick in meinen Alltag mit DIS.
Beim Schreiben merke ich oft erst, wie es eigentlich ist.
🧩 Ein kleiner Gedanke vorweg
Im letzten DIS-Einblick ging es darum, dass Wissen und Erinnern für mich nicht immer dasselbe sind.
Ich kann etwas wissen, ohne mich daran zu erinnern.
Aber wie kommt dieses Wissen eigentlich bei mir an?
Wenn ich von innerer Kommunikation schreibe, könnte leicht der Eindruck entstehen, wir würden uns innen alle zusammensetzen, miteinander reden und anschließend ein Protokoll schreiben.
Schön wär’s. 😉
So eindeutig ist es oft nicht.
Was Menschen ohne DIS oft nicht wissen …
💭 Innere Kommunikation bei DIS muss nicht aus Worten bestehen.
Manchmal gibt es tatsächlich innere Worte oder einen Dialog.
Manchmal kommt aber etwas ganz anderes bei mir an.
Ein Gedanke.
Ein Bild.
Ein Gefühl.
Eine Körperempfindung.
Ein Impuls.
Oder einfach ein plötzliches Wissen, ohne dass ich sagen könnte, woher ich es weiß.
Manchmal verstehe ich sofort, was damit gemeint sein könnte.
Manchmal erst Stunden oder Tage später.
Und manchmal verstehe ich überhaupt nichts.
Kontakt kann da sein, auch wenn niemand ein Wort sagt.
🌱Wie es sich anfühlen kann
„ANNE?“, fragte ich nach innen.
Nichts.
Ich wartete.
Immer noch nichts.
„Okay“, sagte ich. „Dann eben nicht.“
Ich wollte mich gerade wieder anderen Dingen widmen, als plötzlich ein Bild auftauchte.
Eine rote Jacke.
Ich hielt inne.
„Eine rote Jacke?“
Keine Antwort.
Ich wartete noch einmal.
Nichts.
Aber irgendetwas innen fühlte sich plötzlich ein kleines bisschen ruhiger an.
Humor meldete sich aus der hinteren Reihe.
„Na prima. Jetzt spielen wir also Montagsmaler.“
Ich musste lachen.
Ich wusste nicht, ob die rote Jacke tatsächlich eine Antwort gewesen war.
Vielleicht war sie einfach nur ein Bild, das mir gerade durch den Kopf gegangen war.
Aber vielleicht hatte ANNE auch gar nichts sagen müssen.
Vielleicht hatte sie trotzdem geantwortet.
🧩 Wie ich damit umgehe
Ich versuche inzwischen, innere Kommunikation nicht zu erzwingen.
Ich frage -- und lasse Zeit.
Wenn ich nach innen frage, erwarte ich nicht unbedingt sofort eine Antwort. Manches braucht Zeit. Und manchmal kommt eben gar nichts.
Ich achte auf unterschiedliche Formen.
Ich höre nicht nur auf Worte. Ich nehme auch Bilder, Gefühle, Gedanken oder Körperempfindungen wahr, ohne sie sofort erklären zu müssen.
Ich schreibe manches auf.
Wenn etwas immer wieder auftaucht oder mir wichtig erscheint, hilft es mir, eine Notiz zu machen. Manchmal erkenne ich erst später einen Zusammenhang.
Ich versuche, neugierig zu bleiben.
Statt sofort zu entscheiden: „Das war ANNE“ oder „Das kam von diesem oder jenem Anteil“, kann ich erst einmal feststellen:
Da war etwas.
Und ich darf mich auch irren.
Nicht jeder Gedanke ist eine Botschaft. Nicht jedes Bild kommt von einem Anteil. Nicht jede Körperempfindung hat eine besondere Bedeutung.
Das herauszufinden ist für mich kein Rätsel, das ich möglichst schnell lösen muss.
Es ist ein Kennenlernen.
🧩 Ein Gedanke dazu
Früher dachte ich bei Kommunikation vor allem an Sprache.
Einer sagt etwas.
Der andere antwortet.
Heute weiß ich, dass innere Kommunikation viel leiser sein kann.
Manchmal besteht sie aus einem Satz.
Manchmal aus einem Gefühl.
Manchmal aus einer roten Jacke, mit der ich zunächst überhaupt nichts anfangen kann.
Und manchmal besteht Kommunikation vielleicht auch einfach darin, wahrzunehmen, dass innen jemand da ist.
Ich muss nicht alles sofort verstehen.
Ich darf zuhören, beobachten und kennenlernen.
Denn Kommunikation beginnt vielleicht nicht erst mit einer Antwort.
Vielleicht beginnt sie schon damit, dass ich frage.
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