DIS-Einblicke 🧩-Teil 21
Ein kurzer Blick in meinen Alltag mit DIS.
Beim Schreiben merke ich oft erst, wie es eigentlich ist.
Was Menschen ohne DIS oft nicht wissen…
🧩 Die Diagnose ist nicht das Problem – sie erklärt das Problem.
Eine Diagnose verändert nicht die Vergangenheit.
Sie gibt Worten für etwas, das oft schon lange da war.
Nicht die Diagnose macht das Leben schwer – sondern das, was zu ihr geführt hat, und wie andere darauf reagieren.
Wie es sich anfühlen kann
Als ich die Diagnose bekam, saß ich erst einmal still da.
Ich hatte mich nicht verändert. Ich war noch dieselbe Person wie am Tag davor.
Nur eines war anders: Etwas, das jahrelang verwirrend gewesen war, hatte plötzlich einen Namen.
Zum ersten Mal dachte ich nicht: „Was stimmt nicht mit mir?“
Sondern: „Jetzt verstehe ich ein bisschen mehr von meiner Geschichte.“
🧩 Ein Gedanke dazu
Lange Zeit hatte ich das Gefühl, mit mir stimme etwas nicht.
Da waren Erinnerungslücken, innere Widersprüche, Gefühle, die scheinbar aus dem Nichts auftauchten, und Reaktionen, die ich selbst nicht verstand. Immer wieder versuchte ich, mich zusammenzureißen, mich anzupassen oder einfach besser zu funktionieren.
Als ich die Diagnose DIS bekam, war das nicht der Beginn meines Problems. Das Problem war längst da. Die Diagnose hat es nicht erschaffen.
Sie hat mir vielmehr geholfen, Zusammenhänge zu erkennen.
Plötzlich ergaben viele Dinge einen Sinn. Nicht alles wurde leichter. Aber vieles wurde verständlicher. Ich musste nicht mehr gegen etwas Unsichtbares kämpfen, sondern konnte anfangen zu verstehen, wie mein Inneres überhaupt funktioniert.
Schwierig wurde es oft erst dann, wenn andere Menschen ihre Vorstellungen von DIS auf mich projizierten. Filme, Vorurteile und falsche Vorstellungen sind manchmal hartnäckiger als die Diagnose selbst.
Dabei bin ich nicht meine Diagnose.
Ich bin ein Mensch mit Interessen, Träumen, Humor, Stärken, Macken, einem Garten, einer Katze, Freunden und einem ganz normalen Alltag – und ich lebe mit DIS.
Die Diagnose beschreibt einen Teil meiner Geschichte. Sie beschreibt nicht meinen Wert als Mensch.
Manchmal denke ich sogar: Die Diagnose war einer der ersten Schlüssel, die ich in die Hand bekommen habe. Nicht, um eine Tür zu schließen, sondern um endlich einige Türen zu öffnen, hinter denen Verständnis, Mitgefühl und ein Stück Selbstannahme gewartet haben.
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Dieser Beitrag gehört zur Reihe DIS-Einblicke und beschreibt meinen Alltag mit dissoziativer Identitätsstörung.
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