Schreibwerk - Die Gefühle in der Küchenschublade
Heute hat die Küchenschublade hitzefrei
Schon am frühen Morgen stöhnte die Küchenschublade.
„Ich kann nicht mehr“, jammerte die Ungeduld und fächelte sich mit einem Kochlöffel Luft zu.
Die Traurigkeit klebte am Schubladenboden. Der Perfektionismus hatte nach drei Handgriffen aufgegeben. „Schief ist heute eben gerade genug.“
Die Prokrastination grinste. „Endlich mal ein Wetter, bei dem niemand erwartet, dass ich etwas erledige.“
Die Scham hatte sich unter ein Geschirrtuch verzogen. Selbst der Mut sagte: „Heute bin ich mutig genug, nichts zu müssen.“
Da stand die Gelassenheit auf. „Ich glaube, wir machen heute hitzefrei.“
„Geht das denn?“, fragte die Liebe.
„Natürlich. Niemand muss bei dieser Hitze Höchstleistungen bringen.“
Also zogen alle in den Schatten. Es gab kalte Limonade, Wassermelone und ein Fußbad mit kühlem Wasser. Die Liebe ließ die Zehen planschen. Die Traurigkeit seufzte wohlig. Sogar der Perfektionismus lockerte seinen Kragen und vergaß für einen Moment, ob die Handtücher ordentlich gefaltet waren.
Niemand musste stark sein. Niemand musste funktionieren.
Die Schublade wurde ganz still.
Nicht, weil alle erschöpft waren.
Sondern weil plötzlich niemand mehr gegen den Tag kämpfte.
Am Abend zog ein kühler Wind durchs offene Fenster.
Die Liebe lächelte. Der Mut streckte sich. Die Gelassenheit gähnte zufrieden.
„Morgen“, sagte sie, „können wir weitermachen.“
Und ausnahmsweise hatte niemand etwas dagegen.
___
Ein Gedanke dazu
Manchmal verlangt der Sommer etwas, das wir uns viel zu selten erlauben: langsamer zu werden. Nicht jeder Tag ist dafür da, etwas zu schaffen. Manche Tage sind einfach dafür da, genug zu trinken, den Schatten zu suchen, die Füße ins Wasser zu halten und freundlich mit sich selbst zu sein.
Auch das ist genug. 🌿☀️💧
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen