Sonntag, 4. Oktober 2026

Die Eifersucht will nur mal kurz was fragen

Ich zog die Küchenschublade auf.

„Wer ist das?“

Keine Begrüßung.

Kein Hallo.

Nur: „WER IST DAS?“

Ich schaute hinein.

Da stand eine Frau.

Arme verschränkt.

Augen zusammengekniffen.

Und sie zeigte auf die Liebe.

„Ähm … das ist die Liebe.“

„Das weiß ich!“

„Warum fragst du dann?“

„Ich meine DIE DA!“

Sie zeigte auf das Vertrauen.

Das Vertrauen hob vorsichtig die Hand.

„Hallo.“

„Aha.“

Ich kann nicht genau erklären, wie man ein „Aha“ derart bedrohlich aussprechen kann.

Sie konnte es.

„Und du bist?“, fragte ich.

Sie sah mich an.

„Die Eifersucht.“

Natürlich.

Der Zweifel sprang sofort auf.

„Ich wusste es!“

„Was wusstest du?“, fragte ich.

„Keine Ahnung. Aber irgendwas stimmt hier nicht.“

Die Angst rückte näher.

„Finde ich auch.“

Großartig.

Die Eifersucht hatte innerhalb von dreißig Sekunden ein Team.

Die Liebe seufzte.

„Können wir vielleicht erst einmal ruhig—“

„RUHIG?“

Die Wut hob interessiert den Kopf.

„Oh. Eine von meiner Sorte.“

„Nein“, sagte die Eifersucht.

„Ich bin überhaupt nicht wütend.“

Die Wut grinste.

„Natürlich nicht.“

Die Gelassenheit nahm einen Schluck Tee.

Ich setzte mich vor die Schublade.

„Also. Was willst du hier?“

„Nichts.“

„Du bist gerade eingezogen.“

„Ich passe nur auf.“

Die Kontrolle wurde hellhörig.

„Worauf?“

Die Eifersucht deutete auf die Liebe.

„Auf die.“

Die Kontrolle nickte anerkennend.

„Verständlich. Gibt es bereits einen Überwachungsplan?“

„NEIN!“, sagte ich.

Beide sahen mich enttäuscht an.

„Niemand wird hier überwacht.“

Die Eifersucht schnaubte.

„Naiv.“

Der Zweifel nickte.

„Sehr naiv.“

Das Vertrauen saß noch immer ruhig da.

Das machte die Eifersucht offenbar wahnsinnig.

„Und DU?“

„Was ist mit mir?“

„Warum bist du so ruhig?“

Das Vertrauen zuckte mit den Schultern.

„Weil ich vertraue.“

Die Eifersucht starrte es an.

Lange.

„Einfach so?“

„Nein.“

„Na also!“

„Ich habe auch Angst.“

Die Angst schaute überrascht auf.

„Du?“

Das Vertrauen nickte.

„Natürlich.“

Die Eifersucht wirkte plötzlich weniger sicher.

Ich sah sie an.

„Du hast auch Angst, oder?“

„Nein.“

„Sicher?“

„Ja.“

„Ganz sicher?“

„JA!“

Die Wut flüsterte:

„Sie hat Angst.“

„ICH HÖR DICH!“

Der Humor grinste.

„Wir übrigens auch.“

Die Eifersucht setzte sich.

Ganz langsam.

Die Arme immer noch verschränkt.

Ich rückte ein bisschen näher.

„Wovor hast du Angst?“

„Vor gar nichts.“

Ich wartete.

Die Gelassenheit trank Tee.

Die Prokrastination lag noch immer auf dem Boden.

Niemand sagte etwas.

Irgendwann murmelte die Eifersucht:

„Ausgetauscht zu werden.“

Stille.

Die Liebe sah sie an.

„Oh.“

„Nicht oh.“

„Was soll ich denn sonst sagen?“

Die Eifersucht zuckte mit den Schultern.

„Dass das nicht passiert.“

Die Liebe schwieg.

„Na toll“, sagte die Eifersucht.

Das Vertrauen beugte sich vor.

„Das kann sie dir nicht versprechen.“

„DU HÄLTST DICH DA RAUS!“

„Nein.“

Die Eifersucht sah es verblüfft an.

Das Vertrauen blieb ruhig.

„Niemand kann dir versprechen, dass du niemals verletzt wirst.“

Die Angst nickte.

„Genau deshalb passe ich auf.“

„Ich auch“, sagte die Eifersucht leise.

Ich schaute zwischen beiden hin und her.

„Dann seid ihr euch ziemlich ähnlich.“

„Nein!“, sagten Angst und Eifersucht gleichzeitig.

Der Humor fiel fast vom Holzpfannenwender.

„Oh doch.“

Die Liebe setzte sich neben die Eifersucht.

Nicht zu nah.

Einfach daneben.

„Vielleicht willst du mich gar nicht kontrollieren“, sagte sie.

Die Eifersucht schwieg.

„Vielleicht willst du nur nicht verloren gehen.“

Jetzt wurde sie ganz still.

Die Wut schaute auf den Boden.

Der Zweifel sagte nichts.

Sogar die Kontrolle legte ihr Klemmbrett weg.

Ich sah die Eifersucht an.

„Stimmt das?“

Sie zuckte mit den Schultern.

„Vielleicht.“

„Das war jetzt aber wenig überzeugend.“

Sie sah mich an.

Dann seufzte sie.

„Ja.“

Die Hoffnung kam näher.

„Dann könnten wir doch—“

„Vorsicht“, sagte der Zweifel.

„Was?“

„Wenn die jetzt anfängt zu hoffen, haben wir als Nächstes wieder die Enttäuschung hier.“

Vom Koffer hinten in der Schublade kam eine Stimme:

„Ich BIN noch hier.“

Der Humor brach zusammen.

Ich auch.

Sogar die Eifersucht musste lachen.

Nur ein bisschen.

Dann schaute sie zum Vertrauen.

„Ich mag dich trotzdem nicht.“

Das Vertrauen lächelte.

„Musst du nicht.“

„Und ich werde dich beobachten.“

Die Kontrolle griff begeistert nach ihrem Klemmbrett.

„Ich hätte da ein System—“

„NEIN!“, riefen alle.

Ich schob die Schublade langsam zu.

Kurz bevor sie geschlossen war, hörte ich die Eifersucht noch fragen:

„Liebe?“

„Hm?“

„Du sitzt aber schon neben mir, oder?“

„Ja.“

„Gut.“

Kurze Pause.

„Nur gefragt.“

Natürlich.

Und irgendwo hinten murmelte der Humor:

„Überhaupt nicht eifersüchtig.“

RUMMS.

Ich glaube, das war der mysteriöse Löffel.

Oder die Eifersucht hat ihn geworfen.

Ich wollte es lieber nicht wissen.


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