Sonntag, 22. März 2026

Schreibwerk - Abschied (-sträne)


Ich werde geboren, ohne gefragt zu werden. Ganz leise, irgendwo tief, dort, wo Worte nicht mehr hinreichen.

Ich bin klein, fast unsichtbar, und doch trage ich alles:
das Zittern in der Stimme, den Kloß im Hals, das unausgesprochene „Bleib“.

Abschied – ein großes Wort für etwas, das sich so eng anfühlt.

Ich sammle mich, werde schwerer, runder,
als würde ich all das festhalten wollen, was gerade geht.
Ein letzter Versuch, nichts fallen zu lassen.

Dann rolle ich los.

Langsam erst, zögernd, als könnte ich den Moment hinauszögern. Ich sehe die Welt verschwimmen, Gesichter werden weich, Konturen lösen sich auf.

Vielleicht ist das meine Aufgabe, den Abschied ein wenig unschärfer zu machen.

Ich gleite über die Haut,
warm und salzig,
und für einen kurzen Augenblick
gehöre ich noch dazu.

Zu diesem Blick. Zu diesem Atem. Zu diesem letzten Dazwischen.

Dann falle ich.

Und während ich verschwinde, weiß ich:
Ich bin nicht nur Verlust.

Ich bin das, was bleibt, wenn man nicht festhalten kann.

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