Sonntag, 19. Juli 2026

Heute zieht der Humor ein

Schreibwerk - Die Gefühle in der Küchenschublade

Heute zieht der Humor ein


Ich zog die Küchenschublade auf.

„Nicht schon wieder…“, murmelte ich.

Nach den letzten Tagen rechnete ich mit allem.

Mit einer Überschwemmung.
Mit einer Grundsatzdiskussion.

Oder damit, dass der Perfektionismus die Büroklammern inzwischen alphabetisch sortiert hatte.

Doch stattdessen… hörte ich ein Kichern.

Ganz hinten.
Zwischen den Taschentüchern und dem mysteriösen Löffel.

„Hallo?“

Das Kichern wurde lauter.
Dann sprang jemand hervor.

„BOAH! Hast du dein Gesicht gesehen?“

Der Humor.

Er lachte Tränen.

Die Hoffnung fing sofort mit an.

Die Wut verschränkte die Arme. „Was gibt's denn da zu lachen?“

Der Humor sah sie an.

„Du.“

„ICH?“

„Ja.“

„Ich bin wütend!“

„Ich weiß“, sagte der Humor grinsend. „Aber wie du dabei versuchst, ernst zu bleiben… herrlich!“

Die Wut wollte sich aufregen.

Musste aber selbst grinsen.

Nur ganz kurz.

„Nicht weitersagen.“

„Versprochen.“

Der Perfektionismus räusperte sich. „Hier gibt es überhaupt nichts zu lachen. Der Holzpfannenwender liegt immer noch schief.“

Der Humor ging zum Pfannenwender, betrachtete ihn lange und sagte: „Vielleicht macht er Yoga.“

Die Hoffnung prustete los.

Sogar die Gelassenheit verschluckte sich fast an ihrem Tee.

Die Prokrastination hob träge den Kopf. „Den Witz finde ich… morgen lustig.“

„Auch gut“, sagte der Humor.

Dann setzte er sich neben die Traurigkeit.

Sie schaute ihn mit roten Augen an. „Ich kann heute nicht lachen.“

Der Humor nickte.

„Dann lache ich heute einfach für uns beide.“

Die Traurigkeit lächelte. Erst ganz vorsichtig. Dann ein kleines bisschen mehr.

Die Scham lugte hinter den Taschentüchern hervor. „Ich bin bestimmt peinlich.“

„Natürlich“, sagte der Humor.

Die Scham wurde kreidebleich.

Der Humor grinste. „Ich aber auch.“

Da musste sogar die Scham lachen.

Der Zweifel schüttelte den Kopf. „Das hält höchstens fünf Minuten.“

Der Humor legte den Arm um ihn. „Dann werden es eben die lustigsten fünf Minuten des Tages.“

Ich lehnte mich an die Arbeitsplatte und beobachtete die Schublade.

Es war immer noch chaotisch.

Der Perfektionismus maß.
Die Prokrastination verschob.
Die Wut grummelte.
Die Traurigkeit schniefte.
Nichts war verschwunden.

Aber plötzlich…

war alles ein bisschen leichter.

Ich wollte die Schublade gerade schließen, als der Humor rief: „Moment!“

„Was denn?“

„Wenn du zumachst, erzähl draußen bitte nicht, wir wären normal.“

„Warum nicht?“

Er grinste. „Weil wir dann sofort auffliegen.“

Ich lachte laut.

Aus der Schublade hörte ich die Hoffnung rufen: „Siehst du! Endlich ist einer eingezogen, der ansteckend ist!“

Und aus irgendeiner Ecke murmelte der Zweifel: „Na toll… jetzt lachen sie alle.“

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