Heute zieht die Kontrolle ein
Die Küchenschublade
Ich zog die Küchenschublade auf.
Alles war…
still.
Verdächtig still.
Die Hoffnung flüsterte.
Die Wut grummelte nur noch in Zimmerlautstärke.
Sogar die Ungeduld saß ruhig auf dem Holzpfannenwender.
Die Wut grummelte nur noch in Zimmerlautstärke.
Sogar die Ungeduld saß ruhig auf dem Holzpfannenwender.
Ich schaute in die Mitte der Schublade.
Dort stand ein Klappstuhl.
Darauf saß jemand.
Mit Klemmbrett.
Stoppuhr.
Schlüsselbund.
Und einem Blick, der sogar Emma Respekt eingeflößt hätte.
Dort stand ein Klappstuhl.
Darauf saß jemand.
Mit Klemmbrett.
Stoppuhr.
Schlüsselbund.
Und einem Blick, der sogar Emma Respekt eingeflößt hätte.
Die Kontrolle.
„Schön, dass du da bist“, sagte sie. „Du hast Verspätung. Drei Minuten und zwölf Sekunden.“
„Ich wusste gar nicht, dass wir einen Termin hatten.“
„Jetzt schon.“
Sie machte einen Haken auf ihrer Liste. „Erster Punkt: Unnötige Überraschungen vermeiden.“
Die Hoffnung hob vorsichtig die Hand. „Aber Überraschungen können doch auch schön sein.“
„Können“, sagte die Kontrolle. „Müssen sie aber nicht.“
Die Wut verdrehte die Augen. „Jetzt geht das wieder los.“
Der Perfektionismus trat neben die Kontrolle. „Ich habe bereits eine Liste erstellt.“
Die Kontrolle lächelte zufrieden. „Sehr gut. Ich habe dieselbe Liste in Farbe ausgedruckt.“
„Ich habe sie laminiert.“
„Ich habe Ersatzkopien.“
Beide nickten sich anerkennend zu.
„Ich habe sie laminiert.“
„Ich habe Ersatzkopien.“
Beide nickten sich anerkennend zu.
Die Prokrastination gähnte. „Das lese ich später.“
„Nein“, sagte die Kontrolle. „Jetzt.“
„Später.“
„Jetzt.“
„Später.“
Die Kontrolle atmete tief durch. „Wir brauchen einen Plan.“
„Nein“, sagte die Kontrolle. „Jetzt.“
„Später.“
„Jetzt.“
„Später.“
Die Kontrolle atmete tief durch. „Wir brauchen einen Plan.“
„Ich habe einen.“
„Gut.“
„Ich fange morgen damit an.“
„Gut.“
„Ich fange morgen damit an.“
Die Kontrolle hielt sich die Stirn.
Die Ungeduld lief nervös im Kreis. „KÖNNEN WIR BITTE ETWAS MACHEN?“
„Natürlich“, sagte die Kontrolle. „Zuerst besprechen wir den Ablauf.“
„Wie lange dauert das?“
„Etwa zwei Stunden.“
Die Ungeduld lief nervös im Kreis. „KÖNNEN WIR BITTE ETWAS MACHEN?“
„Natürlich“, sagte die Kontrolle. „Zuerst besprechen wir den Ablauf.“
„Wie lange dauert das?“
„Etwa zwei Stunden.“
Die Ungeduld fiel beinahe in Ohnmacht.
Die Gelassenheit nahm einen Schluck Tee. „Das wird schon.“
„Genau diese Einstellung“, sagte die Kontrolle, „macht mich nervös.“
Die Angst nickte zustimmend. „Mich übrigens auch.“
Ich beobachtete die beiden.
Sie saßen plötzlich Seite an Seite.
Die Kontrolle schaute ständig nach vorne.
Die Angst ständig nach allen Seiten.
Die Kontrolle schaute ständig nach vorne.
Die Angst ständig nach allen Seiten.
Eigentlich…
waren sie gar nicht so verschieden.
waren sie gar nicht so verschieden.
„Warum kontrollierst du eigentlich alles?“, fragte ich.
Die Kontrolle antwortete ungewöhnlich leise. „Weil ich nicht noch einmal überrascht werden möchte.“
Die Schublade wurde still.
Sogar die Wut sagte nichts.
Die Kontrolle antwortete ungewöhnlich leise. „Weil ich nicht noch einmal überrascht werden möchte.“
Die Schublade wurde still.
Sogar die Wut sagte nichts.
Die Hoffnung setzte sich neben die Kontrolle. „Das klingt anstrengend.“
„Ist es.“
„Machst du nie Pause?“
Die Kontrolle schüttelte den Kopf. „Wenn ich Pause mache, könnte etwas passieren.“
„Ist es.“
„Machst du nie Pause?“
Die Kontrolle schüttelte den Kopf. „Wenn ich Pause mache, könnte etwas passieren.“
Die Gelassenheit stellte ihr wortlos eine Tasse Tee hin.
Die Kontrolle sah die Tasse lange an.
Dann stellte sie ihre Stoppuhr aus.
Nur für einen Moment.
Sie nahm einen Schluck.
Die Kontrolle sah die Tasse lange an.
Dann stellte sie ihre Stoppuhr aus.
Nur für einen Moment.
Sie nahm einen Schluck.
Atmete aus.
„Eine Minute Pause“, sagte sie.
Der Humor grinste. „Na bitte. Fortschritt!“
Die Kontrolle musste tatsächlich lächeln. „Aber nur eine Minute.“
Ich schob die Schublade langsam wieder zu.
Drinnen wurden schon wieder Listen geschrieben.
Die Prokrastination hatte beschlossen, sie später zu lesen.
Der Perfektionismus diskutierte über den Zeilenabstand.
Und der Humor schrieb heimlich auf das Klemmbrett:
„To-do-Liste: Etwas lockerer werden.“
Ich glaube, das hat die Kontrolle bis heute noch nicht bemerkt.
„To-do-Liste: Etwas lockerer werden.“
Ich glaube, das hat die Kontrolle bis heute noch nicht bemerkt.
Warum Kontrolle für viele Menschen mit DIS oft ein Schutz ist, erzähle ich am Mittwoch im DIS-Einblick.
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