Sonntag, 2. August 2026

Außer der Reihe - für Gaby

 Die Jubiläumsparty

Heute zog niemand ein.
Heute wurde gefeiert.
Kaum hatte ich die Küchenschublade geöffnet, flatterte mir buntes Konfetti entgegen.

„Überraschung!“, rief die Freude.
„Moment mal“, sagte ich. „Dich kenne ich doch noch gar nicht!“
„Heute habe ich eine Ausnahmegenehmigung“, lachte sie und verschwand wieder zwischen den Gummibändern. (Keine Sorge. Die werde ich noch offiziell einziehen lassen.)

Die Hoffnung hatte eine Girlande aufgehängt.
Der Humor balancierte auf dem Holzpfannenwender und erklärte ihn kurzerhand zur Tanzfläche.
Die Gelassenheit schenkte Tee aus. „Für alle, die keinen Kaffee möchten.“
Die Wut hatte versprochen, heute nicht zu schreien. „Nur wenn jemand den Kuchen ohne zu fragen anschneidet!“
Der Perfektionismus hatte die Servietten millimetergenau gefaltet.
Emma war sichtlich stolz auf den blitzblank geputzten Schubladenboden.
Die Prokrastination kam… 
tatsächlich pünktlich. „Ich wollte das mit dem Zuspätkommen nicht übertreiben.“
Alle klatschten.
Sogar der Zweifel.
Die Traurigkeit lächelte still. „Heute bleiben meine Taschentücher trocken.“
Die Kontrolle hatte einen Ablaufplan geschrieben.
Der Humor hatte heimlich hinter jeden Programmpunkt geschrieben: „Mal sehen.“

Die Sehnsucht (sie sollte eigentlich heute einziehen. sie hat ihren großen Auftritt nächsten Sonntag) schaute kurz nach draußen und sagte leise: „Ich glaube… genau so fühlt sich Ankommen an.“

Es wurde still.
Nicht traurig.
Sondern warm.
Die Liebe stand auf.
Sie hob ihr Glas.

„Auf Hedda-Marie und Gaby.“
„Auf sechs gemeinsame Jahre.“
„Auf alles, was war.“
„Auf alles, was noch kommt.“
Die ganze Schublade stimmte ein.

Selbst der Zweifel. „Na gut… vielleicht klappt das mit euch ja doch.“
Großes Gelächter.

Ich lehnte mich an die Arbeitsplatte und schaute in die Schublade.
So viele Gefühle.
So viele unterschiedliche Stimmen.
Und doch feierten sie heute gemeinsam.

Ich lächelte. „Danke, dass ihr alle da seid.“
Der Humor grinste. „Na ja… einer musste ja die Musik aussuchen.“
„Und wer war das?“, fragte ich.
Der Humor zeigte auf die Liebe. „Sie.“
„Und?“
„Seitdem tanzt sogar der Perfektionismus aus der Reihe.“
Der Perfektionismus räusperte sich. „Das war exakt ein halber Schritt.“
„Mehr braucht es manchmal gar nicht“, sagte die Gelassenheit.

Ich schloss die Schublade ganz vorsichtig.
Von drinnen hörte ich noch Musik, Gelächter und das Klirren von Teetassen.
Und ich dachte:
Manche Jahrestage feiert man zu zweit.
Die schönsten…
werden von allen Gefühlen mitgefeiert.

Keine Kommentare:

Nicht alle Anteile erleben Beziehungen gleich

DIS-Einblicke 🧩-Teil 27 Nicht alle Anteile erleben Beziehungen gleich Ein kurzer Blick in meinen Alltag mit DIS. Beim Schreiben merke ich o...