Mittwoch, 13. Mai 2026

DIS-Einblicke - 🧩 Teil 15

Innere Kommunikation braucht Zeit

DIS-Einblicke

Ein kurzer Blick in meinen Alltag mit DIS. Beim Schreiben merke ich oft erst, wie es eigentlich ist.

Was Menschen ohne DIS oft nicht wissen…

💬 Innere Kommunikation ist nicht einfach da – sie muss oft erst entstehen.


Vielleicht wirkt es selbstverständlich, sich selbst zu verstehen.
Einen Gedanken zu haben und zu wissen: Das bin ich.

Für mich ist das nicht immer so.
Innen gibt es unterschiedliche Stimmen, Gefühle und Wahrnehmungen.

Manche sprechen deutlich.
Andere nur in Bildern, Körpergefühlen oder einzelnen Worten.
Und manche bleiben lange still.
Nicht alle Anteile hören einander.
Nicht alle verstehen dieselbe Sprache.


Innere Kommunikation braucht deshalb oft vor allem eines: Geduld.


Wie es sich anfühlen kann

Ich schlage mein Tagebuch auf.
Auf der Seite steht nur ein einziges Wort:

Angst.

Mehr nicht.
Keine Erklärung. Keine Erinnerung daran, wer es geschrieben hat.
Ich schaue das Wort eine Weile an.
Spüre die Unruhe dahinter, ohne sie ganz greifen zu können.
Früher hätte ich versucht, die Kontrolle zurückzubekommen.
Heute nehme ich den Stift
und schreibe vorsichtig darunter:

„Was brauchst du?“

Am nächsten Tag öffne ich das Buch wieder.
Unter meiner Frage stehen drei neue Worte:
Nicht allein sein.
Und obwohl ich noch nicht alles verstehe,
fühlt sich etwas innen ein kleines bisschen weniger allein an.


Ein Gedanke dazu

Wenn innere Kommunikation Zeit braucht, dann nicht, weil niemand zuhört – sondern weil Vertrauen innen oft langsam wachsen muss.

🧩


Dieser Beitrag gehört zur Reihe DIS-Einblicke und beschreibt meinen Alltag mit dissoziativer Identitätsstörung.



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