Die Motivation kommt zu spät
Es war einer dieser Tage. Du weißt schon. Die Art von Tag, an dem selbst die Zahnbürste dich anschaut und denkt: „Heute eher nicht, oder?“
Ich schlurfte in die Küche. Schublade auf. Die Müdigkeit hob kurz den Kopf. „Nein.“ Und schlief weiter.
Die Hoffnung winkte mir tapfer zu. „Vielleicht wird’s noch!“
Ich sah sie an. Sie sah ein bisschen angestrengt aus.
„Heute nicht“, sagte ich und wollte die Schublade wieder schließen.
Da – ein Geräusch. Von draußen. Ein hektisches Stolpern. Ein Poltern. Ein „Aua!“
Die Schublade vibrierte. Und dann – FLUPP! Jemand fiel hinein. Voll rein. Mit Schwung. Und ohne Plan.
Die Motivation.
Sie lag kurz regungslos da, mit einem zerknitterten „Jetzt geht’s los!“-Schild in der Hand.
Alle starrten sie an.
Die Motivation rappelte sich auf. „Nein! Jetzt! Jetzt ist der Moment!“
Die Müdigkeit drehte sich um. „Falsch.“
Die Ungeduld sprang auf: „WO WARST DU DIE GANZE ZEIT?!“
Die Motivation klopfte sich Krümel von der Kleidung. „Ich… war unterwegs.“
„Wohin denn?“ fragte ich.
Kurze Pause.
Die Hoffnung strahlte sofort: „Egal! Du bist da!“
Der Zweifel: „Viel zu spät.“
Die Motivation stellte sich in die Mitte der Schublade, hob ihr Schild hoch und rief: „LOS! WIR MACHEN JETZT WAS PRODUKTIVES!“
Stille.
Dann sagte die Müdigkeit: „Nein.“
Der Zweifel: „Nein.“
Ich: „Vielleicht später.“
Die Motivation senkte langsam ihr Schild. „…Okay. Vielleicht nur… eine kleine Sache?“
Die Hoffnung nickte eifrig. „Eine reicht!“
Ich seufzte.
Die Motivation strahlte, stolperte fast wieder und rief: „JA! ICH BIN BEREIT!“
Ich schloss die Schublade halb, atmete durch und machte… tatsächlich eine kleine Sache.
Nicht viel, aber mehr als nichts.
Als ich zurückkam, saß die Motivation erschöpft neben der Hoffnung. „Gut gemacht“, sagte sie zu mir.
Der Zweifel murmelte irgendwas.
Die Müdigkeit schlief wieder.
Und die Hoffnung? Die grinste. „Siehst du“, flüsterte sie, „manchmal reicht zu spät vollkommen aus.“
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